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von ENDURADO

Bryce Shuttle

Heute steht das Motorrad den ganzen Tag. Dafür bin ich zu Fuß unterwegs. Im 10 Minuten-Takt fährt ein Shuttle-Bus eine Runde durch den Nationalpark Bryce Canyon. An der Haltestelle treffe ich zwei Pärchen, die mich nach kurzem Kennenlernen auf Ihre Eintrittskarte mit in den Park nehmen. Der Bus ist voll mit teils deutlich gehbehinderten Zeitgenossen und ein paar Familien in den Ferien. Die Busfahrerin trägtt eine martialisch wirkende Uniform, eine Maske, Handschuhe und ein Headset. Damit könnte sie auch ohne aufzufallen hinter Tom Cruise in einen Kampfjet steigen. Stattdessen erklärt sie wortreich, wo wir jetzt langfahren und was die nächste Station ist.

Ich steige wie viele Andere am höchsten Punkt aus und kriege den Mund erstmal nicht mehr zu. Ich wusste gar nicht, was mich an Naturwunder hier erwartet. Aber das sogenannte Amphitheater ist selbst bei bedeckten Himmel echt atemberaubend.

Ich hab mir eine kleine Wanderung von drei Stunden ausgesucht, die mich auch auf den Grund des Canyons führt.

Unten finde ich es allerdings weit weniger spektakulär als von oben rein gucken zu können. Irgendwann spuckt mich der Shuttlebus dann auch wieder beim Campground aus und mein neuer Zeltnachbar begrüßt mich freundlich und ist bereits gut informiert, was ich denn hier so vorhabe.

Tim ist ein super freundlicher Typ, der nur mit seinem Pickup und nem Mountainbike unterwegs ist. Er fährt mit dem Truck von Ort zu Ort und fährt dann dort ein paar Tage Rad, bis es weiter geht. Wir erzählen uns ein bisschen was und dann frage ich ihn nach seinem Job. Das macht man hier so, glaub ich. Zumindest fragen mich das alle relativ schnell.

Er erzählt sehr offen, das er einen Arbeitsunfähigkeitsstatus hat und von seiner Rente lebt. Deshalb hat er quasi unbegrenzt Zeit mit seinem Mountainbike unterwegs zu sein. Er erzählt mir dann auch die ganze Geschichte. Arbeitsunfähig und Mountainbike passt nicht ohne Erklärung zusammen. Letztendlich war er zweimal in seinem Leben schwer an Krebs erkrankt. Mit 19 an Leukämie und mit 35 an Magenkrebs. Heute ist er 43, ist sehr hager, macht aber einen glücklichen und lebendigen Eindruck. Er hat keinen Magen mehr. Stattdessen ist seine Speiseröhre an ein anderes Organ (Milz?) angeschlossen. Anyway, diese Details sind hier auch nicht so wichtig.

Viel wichtiger ist, dass er sich in einer Organisation engagiert, die Krebskranken versucht aufzuzeigen, dass auch nach oder mit der Krankheit das Leben positiv weitergehen kann. Er leitet zweimal im Jahr eine solche Gruppe, die auf Hawaii zusammenkommt, um dort mit verschiedensten Aktivitäten neue Lebensfreude zu gewinnen. Es geht um eine Altersgruppe von 18 – 40 Jahren. Er zeigt mir auf Vimeo Videos, die das Programm und letztendlich auch ihn vorstellen. Er strahlt die nötige Zuversicht auch aus. Schließlich hat er mit 19 eine Diagnose bekommen, die ihn nur 35 Jahre hätte alt werden lassen sollen. Ich bin menschlich sehr angetan, da in jedem Satz spürbar ist, dass er einen anderen Blick auf das Leben und auch auf das Zusammenleben mit anderen Menschen hat. Und dass er mich auf einen Teller Spaghetti Bolognese eingeladen hat, wird natürlich auch auf der Habenseite verbucht.

Wir quatschen den ganzen Abend am obligatorischen Campfire, bis es so kalt geworden ist, dass nur noch der Schlafsack weiterhelfen kann.

Am nächsten Morgen gibt´s noch nen Abschiedskaffee und dann mache ich mich auf den Weg Richtung Grand Canyon.

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