USA offroad

Grenzgang

Ganz trocken war mein Weg nach Colorado dann doch noch nicht. Es gab ein paar riesige Pfützen, aber keine aufgeweichten Wege. Lediglich mit den tiefen Spuren, die irgendjemand gestern auf den Wegen hinterlassen hat, musste ich umgehen.

Aber am Anfang stand Wicked West die KTM und Harley Vertretung, die sich um die Katie gekümmert haben. Leider haben sie die Ventile nicht einstellen können. Aber bein Reifenwechsel ist aufgefallen, dass die vorderen Bremsbeläge bis aufs Metall runter sind und die hinteren sehen auch nicht viel besser aus. So ein Tag im Schlamm frisst eben ungeheuerlich. Meine eigenen mitgebrachten Ersatzbeläge bauen wir schnell gemeinsam ein und dann kanns losgehen.

Leider ist es schon halb eins als ich mich auf den Weg nach Colorado machen. Aber es ist ein unglaublich leichtes Gefühl mal wieder bei schönem Wetter ohne bedrohliche Wolken unterwegs zu sein.

Mein erste Pause mach ich in El Rito. Eine kleine Siedlung, bestehend aus ein paar Häusern, im Nirgendwo. Dieser Laden ist als Wegpunkt auf meinem Track eingetragen “Food El Rito”. Der Laden könnte genauso gut in Russland an einer Landstraße sein. Super primitiv, aber super freundlich und es gibt alles. Der Besitzer spricht ein bisschen Deutsch. Hat in den 80ern in Jugoslawien mit deutschen Truppen gemeinsam gedient.

Von dort aus geht´s jetzt auf die Piste nach Antonito. Ich bin sehr froh mit meinem neuen Zahnrad.

Die Piste und die Landschaft ist fantastisch. Ich hab mich nur sehr in der Entfernung verschätzt, da ich meinen Track nicht von Anfang fahre, sondern in der Mitte einsteige.

Erst als ich am nächsten Tag in Antonito angekommen bin, wird mir klar, dass es nicht 100 Kilometer Piste sind, sondern 180. Das sind ein paar Stunden unterschied. Sehr viel früher wird klar, dass ich heute Abend nicht ankomme. Zwischendurch kreuzt meine Piste immer auch mal den Highway, sodass es kein Problem wäre, auf Straße abzukürzen. Aber mir gefällt der Weg so gut, dass ich mich entschließe hier draußen zu übernachten und erst morgen in Antonito anzukommen.

Ich schlage mein Zelt auf 2.950 Metern Höhe auf. Ich hab mir eine große Fläche ausgesucht, die den ganzen Abend noch Sonne hat.

Es i st noch lange hell und ich könnte ja auch noch die hinteren Bremsbeläge wechseln, bevor die an der Bremsscheibe fressen. Gesagt getan. Nur schaffe ich es an diesem Abend nicht mehr, dass Hinterrad wieder einzubauen. Der Teleskopständer und der Seitenständer sinken so tief in den Boden ein, dass ih das Rad nicht vernünftig positionieren kann. Kleinere Tücken beim Einbau lasse ich jetzt hier mal aus. Nach einer Stunde beschließe ich, den Einbau auf morgen früh zu vertagen. Ich will mich einfach heute Abend einfach nicht noch mehr daran aufreiben.

Und tatsächlich ist am nächsten Morgen in einer Viertelstunde das Rad wieder eingebaut. Ein bisschen Abstand wirkt schon mal Wunder.

Morgens um 8 rolle ich von der großen Wiese und es geht weiter auf großartigen Wegen.

Es gibt sogar Flüsse. Kleinere und größere. Das hatte ich so auf dieser Reise auch noch nicht.

Letztendlich komme ich so gegen 10:30 in Antonito an. Ich bin dann doch ein bisschen enttäuscht..

Ich frühstücke dort erstmal in Ruhe und  fahre weiter, immer auf der Grenze zwischen New Mexico und Colorado nach Dolores. Von dort geht´s weiter nach ein paar Kilometern wieder auf die Piste, 

Stadtleben

Zum dritten Mal in Serie bin ich vorgestern komplett nass am Ziel angekommen.. Die knapp 200 Kilometer am Montag von Cuba bis Santa Fe waren extrem verregnet und damit war klar, dass es Dienstags sicher nicht offroad weitergehen kann. Also legt der regen- und inzwischen straßenmüde Traveller mal einen Tag Pause ein.

Santa Fe ist wie dafür gemacht. Es gibt eine Reihe von Werkstätten, die für den fälligen Ölwechsel, einen neuen Vorderreifen und zum Ventile einstellen in Frage kommen. Ich hab ein günstiges Motel gefunden, um alle meine Klamotten mal richtig zu waschen und die Akkus zu laden. Santa Fe ist keine typisch amerikanische Kleinstadt. Santa Fe hat einen historischen Kern im Pueblo-Stil und es gibt jede Menge Kunst in der Stadt.

Als ich am Montagnachmittag ankomme, finde ich keine passende Werkstatt.  Manche haben montags zu und manche haben keine Teile oder keine Zeit. Heute Vormittag konnte ich die Kati bei KTM (da wollte ich eigentlich nicht hin $$$) in die Werkstatt schieben und die haben eben am Telefon behauptet, Alles sei fertig. Morgen um 10 hol ich sie wieder ab.

Was sofort auch in dem sehr gepflegten Städtchen sichtbar wird, ist Armut. An den Hauptstraßen sitzt oder steht an jeder Ampel ein Bettler mit mehr oder weniger gefülltem Einkaufswagen. Und es gibt hier auch kleinere Autos, so welche wie in Deutschland.

Mit dem Bus kann ich für 1 Dollar ins Zentrum fahren, was durchgängig in diesem Stil gebaut ist. Auch außerhalb des Zentrums finden sich überall Gebäude in Pueblo-Architektur, die diese Wildwest-Anmutung haben.

Der zentrale Santa Fe Plaza ist so grün und so viele Leute sind auf der Straße, dass es fast schon europäisch wirkt. Die umliegenden Restaurants haben Terrassen, auf denen draußen gegessen wird. Das ist ziemlich unamerikanisch. Normalerweise wird der Hamburger vollklimatisiert und abgedunkelt drinnen eingenommen. Für mich gibt´s hier sogar mal nen Salat Santa Fe Caesar. Und die Sonne scheint dazu.

Im Zentrum des Platzes steht dieser schmucklose Quader mit einer davor angebrachten Inschrift, die besagt, dass die Stadt Santa Fe  den dringenden Bedarf sieht, die kulturelle Geschichte und die aktuellen Standpunkte der verschiedenen Stakeholder und der Bürger dieser Stadt zu diskutieren. Der Diskurs soll zukünftig eine Basis für Frieden, Toleranz, Rassengleichheit, soziale Gerechtigkeit, Heilung und Versöhnung herstellen. Der Bürgermeister der Stadt sieht die Notwendigkeit einen Prozess aufzusetzen, um die Bürger der Stadt zu ermutigen, zu sprechen, gehört zu werden und zuzuhören. Was ist denn hier passiert?

Dieses Foto zeigt, wie im Juni 2020 der Obelisk vom Sockel gerissen wurde. Hintergrund waren die Unruhen rund um den Mord an George Floyd während einer Festnahme durch die Polizei in Minneapolis. In dieser Zeit sind in den USA über 100 Denkmäler zerstört worden. Unzählige Aktivisten haben damals im ganzen Land Denkmäler zerstört, die für systematischen Rassismus oder ähnliche Sachverhalte standen. Der Obelisk in Santa Fe war ein Ehrenmal für Soldaten, die während der Kämpfe mit den Ureinwohnern New Mexicos ums Leben gekommen sind. 

Ich bin sehr beeindruckt, dass dieser Vorgang von offizieller Stelle in Santa Fe offensichtlich als ein Aufruf verstanden wird, in einen Dialog einzutreten. Hier werden nicht die angeklagt, die das Denkmal zerstört haben, sondern es gibt die Einsicht, in Zukunft Dinge besser machen zu müssen. Finde ich sehr außergewöhnlich und gut.

Georgia O’Keffe ist eine Malerin, die dem amerikanischen Modernismus zugeordnet wird und die in Santa Fe  gestorben ist. Sie war unter anderem bekannt für Ihre reduzierten Gemälde der Landschaften New Mexicos. Ich kannte sie natürlich auch nicht, fand aber ihre Bilder Klasse, die ich auf der Suche nach Sehenswürdigkeiten in Santa Fe gefunden habe. Hier gibt es eine Dauerausstellung von ihren Werken. Diese Ausstellung hat aber Dienstags geschlossen. Fuck.

Stattdessen hab ich dann ein anderes Museum besucht, mit Gemälden und Skulpturen verschiedener Künstler aus New Mexico.

Mir hat unter anderem das hier gut gefallen. Ist ne Auftragsarbeit. Dieser 15jährige Bubi hat mal ein Rodeo gewonnen. Anstatt den ersten Preis einer Flugreise nach Washington anzunehmen, hat er sich für den zweiten Preis entschieden. Einen Sattel, den brauchte er dringender.

Morgen geht´s sehr viel unkultivierter weiter nach Antonito in Colorado. 

Nasse Kakteen

Schon mal nen nassen Kaktus gesehen? Ich heute zum ersten Mal und zwar viele. Ich bin seit gestern in New Mexico. Erkennen kann ich das aber nur an den Kakteen. Das Wetter ist hier aktuell eher skandinavisch. Es sind 15 Grad und es regnet als gäbe es kein morgen. Kurze Pausen ausgenommen.

Wenn das das Bild hinter der Motelzimmertür ist, macht das nicht unbedingt Lust aufs Losfahren. Es hat schon die ganze Nacht geregnet und eigentlich ist klar, dass heute kein Tag zum Offroad-Fahren ist. Aber schon wieder Straße? Keine Lust. Lieber noch nen Kaffee und noch einen. Jetzt muss es aber losgehen. Der Highway am Motel begrüßt mich mit einer 10 Meter langen Pfütze. Das wird noch spaßig.

So hatte ich mir New Mexico nicht vorgestellt. Nadelbäume im Nebel. Das hat eher was von Schwarzwald im November.

Das kommt meiner Vorstellung von New Mexico schon sehr viel näher.

Wenn es sich beim Fahren nur nicht immer so darstellen würde.

Hier oben ist alles in Ordnung ein kleines Stück Teerstraße hat mich zu gepflegten und verdichteten Schotterpisten gebracht, die mich durch den mexikanischen Schwarzwald über einen Bergrücken mit großartigem Panorama führen.

Aber unten in der Ebene sieht die Welt dann ganz anders aus. Hier gibts keinen gepflegten Schotter, sondern nur Sandwege, die vollgesogen sind wie ein Schwamm mit riesigen Pfützen. Mit ein bisschen innerer Ruhe, lässt sich das trotzdem noch gut bewältigen. Schon hier spielt die Außentemperatur keine wirkliche Rolle mehr.

20 Kilometer später ist die Sache schon gemeiner. Der Boden wird immer tiefer und vor allen Dingen rutschiger, ständig bricht das Hinterrad aus und ich kann nicht mehr schneller als 30 fahren. Es regnet inzwischen seit vier Stunden heftig, was den Untergrund nicht besser werden lässt. Meine Hoffnung ist, dass die Piste wieder ein bisschen an Höhe gewinnt. Ich denke, der Untergrund wird dann felsiger und tragfähiger.

Aber sobald 20 Meter Höhe gewonnen sind, werden die auch sofort wieder zunichte  gemacht. Die Piste wendet sich nach unten um Rinnen und kleine Einschnitte zu überqueren, die zunehmend mit kleinen Bächen gefüllt sind. Die Auffahrt danach ist besonders anspruchsvoll. Anhalten am Berg führt zu dramatischen Anfahrorgien mit Vollgas im zweiten Gang um das Hinterrad nicht einzugraben.

Von den schlimmsten Stellen gibt´s natürlich keine Bilder. Und es gab schlimme Stellen.

Hier gab´s Gottseidank ne Brücke. Kurz: Nach 6 Stunden im Regen hab ich 25 Kilometer Straße, 5o Kilometer Schotter und 90 Kilometer Schlamm hinter mich gebracht. Das Ganze war eher ein Durchkommen als ein Durchfahren. 

Manchmal muss ein Mann eben tun, was ein Mann tun muss. 

Jetzt noch 35 Kilometer Highway bis Cuba NM. Und Dampfstrahlen ist ne geile Sache.

Bereut hab ich den Wahnsinnstrip nicht. Bei schönem Wetter wäre das eine Traumstrecke gewesen. Und das weiß ich jetzt ganz sicher.

Trotzdem, nochmal mache ich das nicht. Das Wetter ist großräumig auch morgen noch schlecht. Deshalb fahre ich morgen, leider auf Straße und vermutlich im Regen, nach Santa Fe. Das soll ein interessanter Ort sein.

Wenn dann am Dienstag die Sonne wieder scheint, geht´s vielleicht am Mittwoch wieder besser.

Breakfast in America

Heute ist Sonntag. Naja. wann und wo eigentlich genau jetzt? Egal, so ein Sonntag verleitet natürlich dazu, der Welt was Geistreiches abzugewinnen oder zumindest anzubieten. Mal sehen, was mir so gelingt.

Wenig geistreich, aber sehr nahrhaft fällt heute morgen mein Frühstück aus. Ich liebe diese Diner. Und dieser hier ist nicht einfach ein Diner. Nein, er liegt direkt an der legendären Route 66, genau wie mein Motel. Vorweggeschickt sei gesagt, dass die Route 66, so wie ich sie heute 400 km lang erlebt habe, keinerlei besonderen Charme hat. Es ist ein vierspuriger Highway, mit deutlich erhöhter Harley-Dichte. Für meinen Streckenabschnitt heute war´s das. 

Aber zurück zum Frühstück. Zur Auswahl standen 30 verschiedene 3 Egg Omelettes und natürlich auch richtige Frühstücke mit Steaks usw. Ich hab mich für diese schüchterne Variante entschieden. Gut komprimiert kann man so gefühlt 1.000 leckere Kalorien zu sich nehmen. Dass das Soßentöpfchen mitten im Omelette plaziert wird, irritiert den Europäer nur in den ersten Tagen. Ach so, für preisinteressierte Leser sei angemerkt, 15,99 US-Dollar sind dafür fällig, natürlich inklusive dünnem Filterkaffee im Free Refill Programm. Kaffee satt also. Trotzdem, alle paar Tage muss ich das haben.

 

Ein Stück geistreicher war da schon die Truck-Lyrik, die hier nicht aufs Heckscheiben-Kissen gestickt ist, sondern dem Fahrer schon auf der Motorhaube vorauseilt. Ich hatte auf jeden Fall sofort ein Bild vom Fahrer im Kopf. Leider hab ich ihn nicht persönlich gesehen. Sondern nur seine zierliche und sympathisch-natürlich wirkende weibliche Begleitung. Sicher eine sehr kontrastreiches Paar.

Man beachte die aufgestellten Auspuffrohre. Spätestens jetzt ist doch alles klar. Als ich vorbei kam, wurde der gerade der Motor angelassen. Vom Motelzimmer aus, mit Fernbedienung. Wer kann der kann. Warum? Weil´s geht. Dem nun nicht mehr amtierenden Präsidenten der USA wird auf der Seitenscheibe gedacht.

Da wirkt doch dieses Facetuning echt wie ein Augenzwinkern. Auch hier entsteht sofort ein Bild von der Fahrerin im Kopf. Die hab ich live gesehen. Wie man sich täuschen kann…

Diesen Herrn hatte ich hier schon mal vorgestellt. Es ist Tim, der schwer beeinträchtigt durch seine Krebserkrankungen ist, aber trotzdem ein offenbar erfülltes Leben führt. Wir haben vor einigen Tagen am Campfire lange über Gott und die Welt gesprochen. Unter anderem hatte ich ihm erzählt, dass Lagerfeuer auf deutschen oder europäischen Campingplätzen im Normalfall verboten sind. Mit der Enduro oder einem Geländewagen durch den Wald zu fahren, ist in Deutschland fast überall undenkbar. Er war sehr erstaunt darüber und sagte, das Land gehöre aber doch allen. Wieso dürfe man auf öffentlichem Land nicht machen was man wolle? Er kannte zwar Deutschland, aber er hatte keine Vorstellung davon, wie klein Deutschland ist und wie viele Menschen dort auf “engstem Raum” leben.

Interessant war für mich, welches Verhältnis er zu seinem Land hat. Damit ist jetzt nicht die Nation als Institution gemeint, sondern tatsächlich das Land mit Wäldern, Seen, Bergen und Feldern. Um sich verständlich zu machen, hat er mir von einem Lied erzählt, dass er schon in der Grundschule gesungen hat. “This land is your land” von Woody Guthrie, geschrieben 1940. (https://youtu.be/2Q7PULELvok) Wenn man dem Lied mal zuhört, wird klar, welche Bindung an das Stück Erde, das Amerika zugeschrieben wird, schon in Kindertagen bei Amerikanern entsteht. Der Song ist in seinem Kontext mittelprächtig politisch und in der Version, auf die der Youtube-Link verweist, damals nicht gesungen worden. Wer mehr dazu wissen will, findet über Google ausreichend Infos. 

Hier ist das Ende meines möglichst geistreichen Sonntags-Beitrags erreicht. Morgen gehts wieder auf die Piste.

 

 

 

Off the road again

Nach über 1.000 Kilometer Strasse rund um die Sehenswürdigkeitenin Utah und Arizona steht heute auch ein gößeres Stück Schotter auf dem Programm. DIe grobe Richtung ist Südosten. Es geht am Grand Canyon vorbei, aber nur vorbei und dann weiter Richtung New Mexico. Das Wetter ist immer noch nicht richtig freundlich. Je nach Höhe, auf der ich mich bewege ist es entweder brütend heiß und gegen Nachmittag bedrohlich bewölkt.

Ich komme am Vermillion Cliff vorbei, das liegt über 1.000 Meter tiefer und hier merkt man dann schon deutlich, dass der Sommer angefangen hat. 

Kurz dahinter überquert die Strasse den Colorado River. Eine der seltenen Gelegenheiten, den Fluss mal von der Strasse aus zu sehen.

Die 130 Kilometer Wüstenpiste führen mich durch Indianer-Land. Zwischendurch finden sich immer wieder Häuser und Siedlungen der Navajo. Sind die verlassen, wird das ganze zur Müllhalde. 

In der Wüste begegnen mir auch immer wieder einzelne oder kleinere Gruppen von Pferden oder Kühen. Mir ist echt unklar, wie der Besitzer, sofern es einen gibt, die hier in der Weite wiederfinden will.

Mein Ziel ist Cameron / Arizona. Aber zum Schluss läuft es ein bisschen unglücklich. Die letzten 10 Kilometer sind wieder Teerstraße. Inzwischen ist es sehr windig aber immer noch heiß. Der Himmel ist dunkel und in der Ferne kann ich Regenfahnen sehen. Kurz: 5 Kilometer vor dem Ziel erwischt es mich so gemein, wie schon lange nicht mehr. Heftigster Regen und Hagel. Mit dem Crosshelm ist Hagel kein Spaß. Es wird so heftig, dass ich rechts ranfahre. Der ´vierspurige Highway hat keinen Standstreifen. Jede Menge Lkw rauschen mit wenig Abstand an mir vorbei. Ich beschließe von der Strasse runter auf einen Schotterstreifen zu fahren. Das war keine gute Idee. Der Regen wird immer heftiger und der Schotterstreifen verwandelt sich in einen schlammigen See. Die Strasse liegt ca. 1 Meter höher. In dem Schlamm komm ich da nicht mehr rauf. Also fahre ich neben der Strasse durch den Schlamm, bis die Strasse sich etwas absenkt. Die Kati und ich sehen jetzt aus wie Sau. Ich bin nass bis auf die Haut. Das Navajo-Motel in Cameron hat unverschämte Preise. Ich hab die Nase voll und fahre noch 80 Kilometer bis zum nächsten Ort. Da gibt´s ein günstigeres Motel, mit heißer Dusche.

Es regnet immer noch…

Villa arriba oder villa baja

Beim Grand Canyon muss man sich entscheiden, hab ich unterwegs gelernt. Fährst Du zum North Rim oder zum South Rim? Aha!? Auf jeden Fall bin ich zum North Rim gefahren. Aber jetzt mal langsam.

Kurz nachdem ich losgefahren bin, steht dieses außergewöhnliche Haus mit pinken Blumenkästen am Strassenrand. Ich war schon dran vorbei, als ich neugierig genug zum Anhalten war. Wie es drinnen wohl so aussieht und wer ein solches Haus besitzt? Es ist Loraine.

 

Es gibt Kaffee aus der French Press und hausgemachte Muffins.  Zukünftig soll auch die Espressomaschine in Betrieb genommen werden. 2 Zimmer sind zu vermieten, es werden Naturprodukte wie Honig und Seife angeboten, aber es gibt auch eine Textil und Kurzwareabteilung. Das alles in einem Holzhaus, dass von innen ein bisschen an eine Skihütte erinnert. Es finde sich auch Sprüche wie „Hippies welcome“. Kurz , der ganze Laden ist eigentlich nicht zu fassen, außer mit einem Wort: Anders.

Ich bestelle einen Kaffee und ein Vanilla-Chocolate-Chips-Muffin. Der Preis: Wir arbeiten auf Spendenbasis. Echt jetzt? Loraine erzählt von Schwierigkeiten mit den Behörden und von den weiteren Ausbauplänen trotz ihrem kleinen Sohn, um den sie sich auch kümmern muss. Eins ist klar, hier macht jemand sein Ding. Und zwar sehr charmant.

Mein nächstes Ziel ist Lake Jacobs. Das ist ca. 70 Kilometer vorm Grand Canyon. Dort gibt es eine Tankstelle und einen Campground, der vielleicht günstiger ist, als direkt am Canyon. Als ich dort ankomme, gefällt mir hier irgendwas nicht, aber Tanken muss ich trotzdem, mit dem zu erwartenden Grand Canyon – Aufschlag.

Ich bin mit allem fertig, das kommt Piotr, oder besser Peter auf mich zu. Ihm ist mein deutsches Nummernschild aufgefallen und erzählt von ostdeutschen Verwandten. Er sei nicht von hier, sondern stamme aus Sibirien aus einer Stadt mit einem typisch russisch unaussprechlichen Namen. Er ist ein Adoptivkind und ist sehr stolz darauf, dass einer seiner Großväter der Mitbegründer des Oktoberfestes in Sundance/Utah sei. Ich kenne Sundance nur von einem Independent-Filmfestival, das Robert Redford ins Leben gerufen haben soll. Piotr bringt mich auf jeden Fall eher mit dem Oktoberfest als mit Robert Redford in Verbindung. Woran liegt´s? 

Ich erzähle ihm, dass ich schon mal in Russland war und dort sehr gastfreundliche Menschen in Troitz getroffen habe. Er nickt, umso schlimmer sei das, was zurzeit in der Welt passiert. Er fühle sich schlecht mit seinen russischen Wurzeln mit dem Krieg in Verbindung gebracht zu werden. Da fremdschämt sich der kleine Piotr für den großen Wladimir….

Der Weg zum Grand Canyon ist weit. Aber immer wieder, auch im Nationalpark finden sich deutliche Spuren von Waldbränden. An manchen Stellen wachsen tausende von Birken und lassen die kahlen schwarzen Überreste verschwinden. 

Ich hab ein bisschen Pch mit dem Wetter. Der Himmel ist bedrohlich bewölkt und zwischendurch fallen auch immer wieder mal ein paar Tropfen. Aber den Fotos ist das vielleicht gar nicht abträglich. Die Wolken und deren Schatten machen alles ein Stück dramatischer. Und am South Rim wäre das auch nicht anders gewesen. 

Das South Rim ist touristisch wohl deutlich erschlossener als das North Rim. Am South Rim gibt es diesen Glasboden über der Schlucht und Mc Donalds usw. Das gibt es am North Rim alles nicht. Anstelle dessen ist es hier so ruhig, dass ich tatsächlich an manchen Aussichtspunkten alleine bin. Es sind nur wenig Menschen hier unterwegs. Es gibt auch eine Reihe von Leuten, die behaupten, dass North Rim sei spektakulärer.

Der Colorado River fließt im Canyon 1.600 Meter tiefer, also unterhalb der Kante von der aus ich die Fotos gemacht habe. Die Schlucht, die der Fluss nach unten geschnitten und der Wind geweitet hat, ist gigantisch. Anhand der Ausmaße wurde für mich nachvollziehbar, wie lange es diese Landschaft hier schon gibt. Die Millionen von Jahren wurden plötzlich sichtbar.

Ich verbringe den ganzen Nachmittag im Nationalpark und lege dabei ca. 120 Kilometer zurück. Vom Eingang des Nationalparks bis zum entlegensten Aussichtspunkt sind es über 40 Kilometer. Alles hier hat einfach gigantische Dimensionen.

Auf dem Rückweg zu meinem Campground, der außerhalb des Parks liegt, blockieren ein paar Bisons die Strasse. Die sind tatsächlich etwas selbstbewusster als normale Kühe, aber am Ende genauso schreckhaft. 

Die Nacht wird kalt der Campground liegt auf 2.700 Meter Höhe mitten im Wald. Infrastruktur gibt es keine, aber dafür kommen tatsächlich in Dämmerung zwei Rehe zu Besuch.

Bryce Shuttle

Heute steht das Motorrad den ganzen Tag. Dafür bin ich zu Fuß unterwegs. Im 10 Minuten-Takt fährt ein Shuttle-Bus eine Runde durch den Nationalpark Bryce Canyon. An der Haltestelle treffe ich zwei Pärchen, die mich nach kurzem Kennenlernen auf Ihre Eintrittskarte mit in den Park nehmen. Der Bus ist voll mit teils deutlich gehbehinderten Zeitgenossen und ein paar Familien in den Ferien. Die Busfahrerin trägtt eine martialisch wirkende Uniform, eine Maske, Handschuhe und ein Headset. Damit könnte sie auch ohne aufzufallen hinter Tom Cruise in einen Kampfjet steigen. Stattdessen erklärt sie wortreich, wo wir jetzt langfahren und was die nächste Station ist.

Ich steige wie viele Andere am höchsten Punkt aus und kriege den Mund erstmal nicht mehr zu. Ich wusste gar nicht, was mich an Naturwunder hier erwartet. Aber das sogenannte Amphitheater ist selbst bei bedeckten Himmel echt atemberaubend.

Ich hab mir eine kleine Wanderung von drei Stunden ausgesucht, die mich auch auf den Grund des Canyons führt.

Unten finde ich es allerdings weit weniger spektakulär als von oben rein gucken zu können. Irgendwann spuckt mich der Shuttlebus dann auch wieder beim Campground aus und mein neuer Zeltnachbar begrüßt mich freundlich und ist bereits gut informiert, was ich denn hier so vorhabe.

Tim ist ein super freundlicher Typ, der nur mit seinem Pickup und nem Mountainbike unterwegs ist. Er fährt mit dem Truck von Ort zu Ort und fährt dann dort ein paar Tage Rad, bis es weiter geht. Wir erzählen uns ein bisschen was und dann frage ich ihn nach seinem Job. Das macht man hier so, glaub ich. Zumindest fragen mich das alle relativ schnell.

Er erzählt sehr offen, das er einen Arbeitsunfähigkeitsstatus hat und von seiner Rente lebt. Deshalb hat er quasi unbegrenzt Zeit mit seinem Mountainbike unterwegs zu sein. Er erzählt mir dann auch die ganze Geschichte. Arbeitsunfähig und Mountainbike passt nicht ohne Erklärung zusammen. Letztendlich war er zweimal in seinem Leben schwer an Krebs erkrankt. Mit 19 an Leukämie und mit 35 an Magenkrebs. Heute ist er 43, ist sehr hager, macht aber einen glücklichen und lebendigen Eindruck. Er hat keinen Magen mehr. Stattdessen ist seine Speiseröhre an ein anderes Organ (Milz?) angeschlossen. Anyway, diese Details sind hier auch nicht so wichtig.

Viel wichtiger ist, dass er sich in einer Organisation engagiert, die Krebskranken versucht aufzuzeigen, dass auch nach oder mit der Krankheit das Leben positiv weitergehen kann. Er leitet zweimal im Jahr eine solche Gruppe, die auf Hawaii zusammenkommt, um dort mit verschiedensten Aktivitäten neue Lebensfreude zu gewinnen. Es geht um eine Altersgruppe von 18 – 40 Jahren. Er zeigt mir auf Vimeo Videos, die das Programm und letztendlich auch ihn vorstellen. Er strahlt die nötige Zuversicht auch aus. Schließlich hat er mit 19 eine Diagnose bekommen, die ihn nur 35 Jahre hätte alt werden lassen sollen. Ich bin menschlich sehr angetan, da in jedem Satz spürbar ist, dass er einen anderen Blick auf das Leben und auch auf das Zusammenleben mit anderen Menschen hat. Und dass er mich auf einen Teller Spaghetti Bolognese eingeladen hat, wird natürlich auch auf der Habenseite verbucht.

Wir quatschen den ganzen Abend am obligatorischen Campfire, bis es so kalt geworden ist, dass nur noch der Schlafsack weiterhelfen kann.

Am nächsten Morgen gibt´s noch nen Abschiedskaffee und dann mache ich mich auf den Weg Richtung Grand Canyon.

Monumental

Vor 300 Jahren, als wahrscheinlich noch niemand das Tal kannte, außer denen, die darin gelebt haben, muss das echt ein religiöser Ort gewesen sein. Gestern Abend gegen acht waren dann auch keine freien Touristen mehr zwischen den Felsen unterwegs, sondern nur noch die, die angeschnallt in den offen Tourjeeps unterwegs sind. Zwischendurch hab ich dann tatsächlich Stille und Weite dort erlebt. Ich konnte mir plötzlich vorstellen, wie sich son Navajo gefühlt hat, der an Götter und Geister glaubend hier im Monument Valley seine Schafe gehütet hat.

Dieser Abend hat mich auf dieser Reise bislang am meisten beeindruckt. 

Tagsüber war aber auch jede Menge los. Socialising war mal wieder an der Reihe. Damit ich nicht vollends verbusche, versuche ich Kontakt zu anderen Zweibeinern aufzunehmen. Der erste rollte vormittags direkt vor meine Motel-Zimmertür, während ich dabei war, erfolgreich eine gebrochene Zeltstange zu reparieren.

Das ist Craig. Er hat als Notarzt im Krankenhaus gearbeitet und in dieser Funktion auch  Jahre für Honda das Werksteam auf der Dakar in Südamerika betreut. Jetzt lebt er im Sommer in Minnesota und lebt vom Bienenzüchten. Den Winter verbringt er in Buenos Aires bei seiner italienischen Freundin. Er rollt mit einer mindesten 15 Jahre alten BMW auf den Hof, und am aufgetürmten Gepäck hat er noch eine Regenbogentüte baumeln. Das ist ihm schon peinlich. Wir gehen erstmal Mittagessen. Danach führt er mich zu einem Aussichtspunkt ganz in der Nähe vom Valley of Gods.

Hier führt nur eine versandete Schotterpiste hin. Deshalb kommt er auch nicht mit. Schließlich mussten wir seine BMW schon inder ersten Kehre bei der Auffahrt aus dem Tal gemeinsam aufheben. Aber dort oben, gab´s eine Felslandschaft mit Mordspanorama. Es soll Leute geben, die sagen, dort sei es schöner, als an den Aussichtspunkten vom Grand Canyon.

Ganz allein war ich nicht, denn hier oben im Paradies steht, wahrscheinlich schon mehrere Tage ein Landcruiser. Der gehört Ron und der ist Brite.

Nachdem ich ne halbe Stunde von Fels zu Fels geklettert bin, um den ultimatuiven Ausblick zu finden, spreche ich Ron auf den Grand Canyon an. Natürlich war er schon dort, wie eigentlich schon überall. Ron ist 5 Jahre mit dem Auto um die Welt gefahren und schreibt Reiseführer über Australien. Wir plaiudern ausgiebig über Tansania, Tadschikistan und Libyen ist ein cooler Typ.

Craig, Ron, Markus. Alte weiße Männer unterwegs.

Vor lauter Sozialisierungstrubel verpasse ich fast meine Sunset Tour im Monument Valley. Als ich mit heißen Reifen am Treffpunkt ankomme, bergrüßen mich 4 Amerikaner und 2 Däninen, sowie die Navajo Fahrerin. Jetzt geht die Fotosafari los. Die Ergebnisse waren schon zu sehen. Zum Abendesen gibts zwei Budweiser und ne Dose Pringles. Spaß muss sein.

Dieser Bär auf Rädern gehört übrigens meinen Zimmernachbarn, die zwar nicht so behaart, aber mindestens genauso herausgeputzt sind.

Nach nem Frühstück mit Craig, starte ich zu einer Verbindungsetappe Richtung Bryce Canyon. 500 Kilometer, davon 100 offroad sind zu bewältigen. Es geht mitten durchs Land der Navajos. Vermutlich ist der Strassenanteil deshalb so hoch. Das Land ist in Privatbesitz. Überhaupt ist es ein bisschen enttäuschend, dass man in keinen Canyon rein kommt, ohne entweder eine Tour zu buchen, die oft über 130 Dollar kosten oder zumindest saftig Eintritt zu zahlen.

An diesem Fluss gibt es einen kleinen Hafen, aber die Schranke, die die Zufahrt versperrt, öffnet sich erst nach Zahlung von 30 Dollar. Mahr als der Zugang zum Hafen und der Blick auf den Fluss wird dafür nicht geboten. Mir war das zu teuer, deshalb gibt´s leider nur ein Foto aus der Ferne.

Seit ein paar Tagen werde ich jetzt mit fulminanten Landschaften gefüttert und bin wahrscheinlich schon überfressen. Auf meiner langen Tour heute, hätte es sicher für 10 Fotostopps gereicht, aber ich hab erst wirklich gestaunt, als ich das Feuer, bzw. den Rauch am Horizont gesehen habe. Ich hab einen Farmer gefragt, ob der Brand auf dem Weg zum Canyon liegt und die Strasse versperrt. Er hat versichert, dass es erst ein Tal weiter brennt.

Aber seltsam ist es schon um so eine gigantische Rauchwolke herumzufahren.

80 Kilometer später ist die Wolke schon erheblich viel größer geworden. Der Rauch ist gelblich, rötlich und verändert auch Kilometer davon entfernt noch die Lichtstimmung. Irgendwie bin ich alarmiert.

Aber am Ende berührt der Brand weder meine Strecke noch mein Ziel und ich kann tatsächlich unbesorgt durch Sand und Schotter auf die letzten Kilometer Highway zum Bryce Canyon zu rollen. 

Morgen wird nicht gefahren, sondern gewandert und fotografiert. Hab nen schönen Campground gefunden.

Pilgerreise

Vor den Wetterumschwüngen in USA habe ich echt Respekt. Vor ein paar Tagen ist die Temperatur ja schon mal von einem Tag auf den anderen um 20 Grad gefallen. Und auf anderen Reisen hab ich schon Ähnliches erlebt.

Deshalb war ich alarmiert, als ich über einen Facebook-Kontakt hier in Utah darauf  hingewiesen worden bin, das Sturm und Regen drohen. Sowas wie ein früher Vorläufer der Monsun-Saison, die sonst erst Mitte Juli beginnt.

Auf jeden Fall hab ich meine Route geändert. Es sollte durch das Lockhardt Basin gehen. Laut Karte durch verschiedene Canyons dazu steinig, staubig und sehr trocken. Wenn da der Sturm durchfegt, siehst Du die Hand vor Auge nicht mehr dachte ich und habe eine Route durch die Berge gewählt.

Ich war auf große Hitze eingestellt, hatte 7 Liter Wasser an Bord und bin um halb 7 losgefahren, damit ich am frühen Nachmittag schon da bin. Von Hitze war allerdings morgens nichts mehr zu spüren. Es ging schnell rauf auf über 3.300 Meter und den ganzen Tag bin ich nicht mehr tiefer als 2.500 Meter gekommen. Windig wars aber im Wesentlichen trocken. So blieb der Wassersack ganz unberührt. 

 

Mein Weg führte fast den gazen Tag durch den Wald. Zwischendurch auch mal in Gebiet, wo mal ein  Waldbrand gewütet hat. Es dauert wohl ne ganze Weile, bis hier wieder was grünt.

Nachmittags regnete es dann irgendwann doch. Auf Regenklamotten hatte ich keinen Bock, also hab ich mein Zelt aufgebaut und mich entschieden über Nacht dort zu bleiben. Endlich mal ne günstige Übernachtung.

Es hat dann über Stunden mehrfach heftig geregnet, aber der Wind hielt sich hier oben in Grenzen. Morgens sah die Perspektive immer noch grau aber besser aus. Noch 40 Kilometer bis zu nem Abzweig zu einem Ort und dann 15 km hin und zurück für nen Kaffee und ne Blaubeertasche. Mach ich.

Die Tankstelle hat einen Supermarkt, ein Fastfood-Restaurant und eine Bowlingbahn. Diese eindrucksvolle Einrichtung steht in Blanding. 3.594 Einwohner. Davon ist im Moment genau einer wach, der Tankwart. Umso skurriler wirkt das Etablissement.

Weiter geht´s. 15 Kilometer zurück und ich stehe wieder auf der Piste.

Da geht´s zwischendurch mal ein bisschen aufregender zu, aber im Großen und Ganzen lässt sich auch nach dem Regen alles gut fahren. Es ist ne schöne Mischung aus Schotter, Sand und Fels.

Die Farbe wechselt öfter von rot nach weiß und die Landschaft sieht immer mehr nach Canyon, Wüste und Hitze aus.

Jede Pilgerreise verlangt so ihre Entbehrungen. Erst musste ich durch Regen und Sturm und die nächste Prüfung bestand in hartem aber feuchtem und extrem rutschigem Lehm. Ich wollte eigentlich lässig durchrollen, da schmiert das Vorderrad weg, wie auf Glatteis. Ich konnte auch kaum drüber laufen, ohne mich direkt neben die Kati zu legen. Nix passiert. Außer, dass ich jetzt ausseh wie ne Sau.

Weiter.

Noch ne Prüfung, diesmal weicher und 20 cm tiefer. Zu viel Demut ließ mich mittendrin stecken bleiben. Aber im zweiten ging´s Gottseidank auch wieder raus.

Einmal um die Bergkette rum, offenbart sich dieses Panorama. Wie Wellen stehen hier die Aufwerfungen Spalier. Ein gigantisches Tal. Götterdämmerung.

Ein paar Kilometer Asphalt zur Verbindung.

Valley of Gods. Ohne Worte.

Es ist 12 Uhr mittags. Ich stehe ganz alleine hier oben, mit diesem Panorama. Aber der Wind ist so stark, dass ich mich streckenweise am Motorrad abstütze, um das Handy ruhig halten zu können. Hier ist definitiv Sturm angesagt.

Durch das Tal führt eine Schotterpiste. Auf den ca. 30 Kilometern begegnen mir vielleicht zehn Autos. Es scheint, als ob Amerika heute lieber zu Hause bleibt.

Meine Endstation für heute ist der Ort Mexican Hat. hier mache ich einen Tag Pause. Morgen möchte ich eine von Indianern geführte Tour durch Monument Valley machen. Dann kann ich mal mehr fotografieren.  Hab die Soinnenuntergangstour gebucht.

Onroad beauties

Was für ne Probefahrt. Um kurz nach 7 stehe ich an der Einfahrt zum Arches Nationalpark in Moab. Es ist ziemlich bedeckt heute morgen und manchmal auch ziemlich windig. Auch nicht schlecht, dann wird es nicht so schnell heiß. Für die Einfahrt in den Park musste ich online einen Zeitslot reservieren und natürlich auch Eintritt bezahlen. Ich hab mir den frühen Morgen ausgesucht, da dann das Licht normalerweise besser, die Temperaturen nicht so hoch und erst ein paar Besucher im Park sind. Der normale Urlauber schläft halt gern ein bisschen länger.

Nach einer kurzen Auffahrt in den den Park offenbart sich eine Landschaft, die ich nicht mehr kommentieren muss.

Zwischendurch kommt dann doch mal die Sonne raus und verschwindet auch wieder. Insgesamt ist es angenehm von der Temperatur und auch von der Besucherzahl. Es gibt alle paar Meter ein Parkbucht zum Fotografieren und an den Highlights auch größere Parkplätze. Heute morgen ist hier nichts überfüllt. Ich hör auch nur American English. Wenig internationales Publikum.

Die absolute Hauptattraktion sind die sogenannten Windows. Zum Beispiel das erste Bild zu diesem Beitrag. Man kann überall in diesem Nationalpark in kleine Wanderrouten einsteigen, die man vermutlich für sich alleine hat. Die meisten Besucher dürften sich kaum weiter als 100 Meter von ihrem Auto entfernen. Mehr geht für mich auch nicht, schließlich hab ich Jacke, Hose und Crossstiefel an. Das Publikum ist gut gemischt von Mr und Mrs Popcorn mit Cola bis zum Modelpärchen für stylisches Outdoor-Equipment.

Nach vier Stunden und 100 Kilometern Fahrt durch den Park hab ich genug. Bögen, Felsen, Tore und Löcher gibt es endlos, aber ich kann und will mir auch nichts Alles angucken. Ich hab nämlich Hunger. Es gab nix zum Frühstück heute Morgen. Also fahre ich zurück nach Moab in ein schönes Café mit Terrasse. Vor der Terrasse wird Wasser zerstäubt, very nice.

Mit Janice und Robert aus Oregon bin ich dort länger ins Gespräch gekommen. Sie ziehen einen großen Trailer zum Wohnen hinter sich her. Machen das zu ersten Mal und sind den 2. Tag unterwegs. Sie hatten eine große Pfefferminz-Farm in Oregon und haben an Nestle und vorher an Macintosh Pfefferminz für After Eight geliefert. Er ist 71 und ich habe so den Eindruck, dass er überhaupt erst zum ersten Mal eine Tour macht. Er stellt tausend Fragen zum Motorrad und wo ich damit überall schon war. Wie alt ich denn sei und dass man für so eine Tour körperlich ein Stück in Form sein muss. Irgendwie fühlt es sich so an, als hätte er sowas auch gerne mal gemacht, traut es sich aber nicht mehr zu. Sie hingegen war schon in Berlin und München und ist begeistern vom German ICE. Hört man auch häufiger. Berlin hat ihr nicht gefallen. Die Leute sind so impolite. Alright Janice.

Für mich gibt´s nen fetten und leckeren Burrito und dann beginnt der zweite Teil der Probefahrt. Landschaftlich wird´s jetzt natürlich schwer noch einen drauf zu legen. Aber ich probier´s mal mit dem Castle Valley. Moab hätte Auswahl für mindestens 14 Tage, aber es muss ja irgendwie weiter gehen.

Die Strasse führt durch einen weiten Canyon direkt am Colorado River entlang. Hört sich sehr nach Marlboro an finde ich. 

In diesem Tal stehen zwei Felsformationen, die an Burgen erinnern. Eine schöne Straße windet sich durch das Tal und am Ende hoch zu einem Aussichtspunkt in 2.300 Metern Höhe. Mal wieder ein bisschen Schräglage tut auch sehr gut.

Und von dort siehrt’s dann eben so aus. Die epische Größe der Landschaft kann man erst jetzt erfassen. Und den Kontrast. Ich stehe nämlich mitten im Grünen bei angenehmen Temperaturen, während ich das Foto mache. Zurück ins Tal geht´s dann über das Spanish Valley, woher der Name kommt weiß ich nicht. Aber eine ganz unspanische Entdeckung hab ich auf dem Rückweg dann doch noch gemacht.

 

Hier gibt es einen Käfer-Friedhof. Besser einen VW-Friedhof. Die Käfer sind in der Überzahl aber es gibt auch Bullys, VW Variant und ein paar Kahrmann Ghia sind auch dabei. Alle in sehr verwahrlostem Zustand. Leider war niemand da, sonst hätte ich mal gefragt, was es damit auf sich hat.

Am Ende sind etwas über 200 Kilometer auf der Uhr und die Kati hat zu keiner Zeit irgendwelche Mucken gemacht. Die fucking Benzinpumpe scheint die Ursache für die Problem gewesen zu sein. Dann trau ich mich mit ihr mal wieder raus in die freie Wildbahn.

Auf jeden Fall geht´s morgen weiter Richtung Arizona. Es soll ein paar Grad kühler werden. Die Prognose für morgen steht bei 32 Grad. Das klingt schon humaner als es heute und gestern war.

 

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